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Live-Ticker: Unsere 3. Hilfsgüteraktion wird umgesetzt

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Beginn des Live-Tickers am 11. Oktober 2015:

Die erste Hälfte der gesammelten Spenden ist unterwegs zu den Flüchtlingslagern von Suruç, wo Ismael mit Hilfe des örtlichen Büros der Menschenrechtsorganisation IHD und den Lagerkoordinatoren/innen vor Ort die bevorstehende Hilfsgüteraktion umsetzen wird.

Ab heute hält uns Ismael über diese Hilfsgüteraktion in Form eines Live-Tickers aus Suruç auf dem Laufenden.

Das Team von ‚Gemeinsam für Kobanî‘


11.10.15:

Liebe Freunde und Bekannte,

nach der langen Fahrt von der Grenze Serbien-Kroatien bin ich dann direkt in die Türkei geflogen. Ausser, dass ich einen Tag brauchte, um mich zu erholen, ist alles gut. Eine Woche nicht duschen macht echt müde :-).

Bin gerade in Maras, 220 km von der Stadt Suruc entfernt. Hier bin ich bei unseren Partnern IHD (Menschenrechtsorganisation), hier konnte ich mich erholen. Und morgen fahr ich mit dem Bus weiter nach Suruc, dort kommt jemand von dem IHD-Urfa-Zweig mich abholen und wird mich nach Suruc begleiten. Wir werden die Lage vor Ort mit gutem Wissen und Gewissen einschätzen und euch darüber berichten.

Grüsse euch, auf bald

Ismael


13.10.15:

Guten Morgen alle zusammen, Grüsse aus Suruç 🙂 


13.10.15:

Hallo zusammen,

Ich bin gestern etwa um 16 Uhr in Suruç angekommen. Traurig! Sowas habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen: Die Stadt war wie leer, alle Laden waren geschlossen. Überall waren stattdessen schwarze Tücher zu sehen und hin und wieder sah ich auch ältere Männer in kleinen Gruppen an einer Ecke. Ich fragte dann Halit, ein junger Aktivierst der IHD-Urfa, der mich von Urfa nach Suruç gefahren hat, wieso die Stadt eigentlich menschenleer sei. Er sagte mir, dass dies ein symbolischer Protest gegen das Geschehen in Ankara sei. Die Leute seien alle auf dem Friedhof, weil heute vier junge Menschen, die beim Terroranschlag in Ankara ums Leben gekommen sind, beerdigt werden. Ich war immer noch sehr baff. Dann fragte ich, ob wir nicht auch an der Beerdigungszeremonie am Friedhof teilnehmen sollten. Er meinte aber, dass er wieder zurück muss und wir gingen dann direkt zum Gemeindehaus von Suruç. Dort wurden wir von drei älteren Herren empfangen, die uns mitteilten, dass das Haus leer sei. Tatsächlich schien das Haus frisch geputzt und leer!

Unterwegs nach Suruç hatte ich mit dem Bürgermeister telefoniert. Er freute sich auf meine Ankunft, teilte mir jedoch mit, dass er nicht in der Stadt sei, weswegen ich mich im Gemeindehaus melden und nach Shakir fragen sollte: Er sei bereits über meine baldige Ankunft informiert.

Shakir aber war nich da!

Niemand ausser der drei Männer waren vor der Türe. Einer von ihnen dachte zuerst, ich sei so was wie ein Hausmeister. Er kannte Shakir und gab uns seine Nummer. Halid, der mich von Urfa abgeholt hatte, hat ihm daraufhin angerufen und ist dann gegangen, während ich einen Tee mit den älteren Männern getrunken habe.

Später kam auch Shakir und als ich ihm gesagt habe, für was ich da bin, sagte er kurz und bündig: „Hier sind fast keine Flüchtlinge mehr bei uns, und der Übergang nach Kobanî ist nicht möglich.“ Er meinte aber, dass mir andere Leute dabei behilflich werden könnten. Während unseres Gesprächs haben wir Tee getrunken (bei mir wurdens in einer halben Stunde vier Teegläser).

Heval Said und Ismael, beide vom Rojava-Koordinationsteam, sind dann zu uns gestossen und haben uns über die aktuelle Lage informiert. Auch sie waren recht betroffen vom Anschlag in Ankara. Viele aber viele Menschen sind gestorben! Menschen, die für Frieden friedlich demonstriert haben. Unbegreiflich…

Nach einer langen Diskussion sieht die Lage nun folgendermassen aus, meine Freunde!

– Sie bereiten mir eine Bewilligung vor, damit ich mich frei im Flüchtlingslager bewegen und schauen kann, in welchen Bereichen es noch Bedarf gibt und wo wir unsere Spendengelder konkret einsetzen können.

– Nach Kobanî weiterzureisen bleibt für mich weiterhin unwahrscheinlich.

In Liebe

Ismael


14.10.15:

Guten Morgen alle zusammen

Ich bin mittlerweile im Flüchtlingslager unterwegs und treffe mich in 30 Minuten mit der Koordinationsgruppe von Rojava. In diesem Gespräch wirds darum gehen herauszubekommen, ob wir ganz konkret beim Wiederaufbau von Kobanî mithelfen können. Scheinbar gibt es eine Liste von notwendigen Materialen. Vielleicht bekommen wir die Liste – und dann können wir gemeinsam entscheiden, was wir da machen!

Grüsse aus Suruç

Lg Ismael 


15.10.15:

Das Leben geht weiter!

Marhaba zusammen, es ist Erntezeit und gestern haben zwei Männer Granatäpfel für die Flüchtlinge im Lager gebracht. Mashalah, wie gross sie waren. Und noch saftiger obendrein: Gerade habe ich nämlich einen probiert.

In Liebe

Ismael 


16.10.15:

Liebe Freunde, liebe Bekannte, liebe Spenderinnen und Spender

Wie einge von euch vielleicht schon über unsere live-Ticker erfahren haben, war Ismael bereits bei den Flüchtlingslagern in Suruç. Dort durfte er glücklicherweise feststellen dass die meisten Flüchtlinge bereits nach Kobani zurückgekehrt sind.

Derzeit sind noch 70-80 Familien, ca 500 Flüchtlinge in Suruç und deren Grundbedürfnisse sind glücklicherweise gedeckt. Durch unsere Partnerorganisation IHD haben wir jedoch erfahren, dass es in Diyarbakir (Amed) ein Flüchtlingslager mit mehreren Tausend Flüchtlingen gibt, wobei deren Grundbedürfnisse wie Nahrungsmittel, Heizkörper etc. nicht gedeckt sind. Ismael hat sich schließlich ohne Zögern auf den Weg dorthin gemacht.

Schon bald folgen also live-Ticker von Ismael direkt aus dem Flüchtlingslager in Diyarbakir.

Das Team von ‚Gemeinsam für Kobanî‘


16.10.15:

Liebe Freunde,

DANKE nochmals an alle, die diese Hilfsaktion ermöglicht haben.

Ich bin mittlerweile von Suruç nach Diyarbekir (Amed) gefahren, wo es ein Flüchtlingslager für Yesiden (https://de.wikipedia.org/wiki/Jesiden) gibt. Hier ein Foto davon.

Meinen Besuch in diesem Flüchtlingslager kann ich folgendermassen zusammenfassen:

3000 Menschen leben hier in diesem Lager etwa 15 Kilometer westlich von Dyarbekir entfernt. Sie sind Yezieden und kommen aus Shengal.

Später werde ich mehr davon berichten.

Liebe Grüsse

Ismael 


17.10.15:

Liebe Freunde

Unsere mittlerweile dritte Hilfsgüteraktion ist heute erfolgreich beendet. Es waren Lebensmittel wie Öl, Oliven und Käse notwendig sowie auch Windeln für Kinder, aber auch für ältere pflegebefürftige Menschen, die im Bett liegen. Ich schicke euch im Anhang ein Foto unseres Einkaufszettels.

Ich soll euch allen ein grosses Dankeschön ausrichten von Nihat Salmis, dem stellvertretenden Gemeindepräsident von Amed und Mitglied des Koordinationskommitees von Rojava: Er ist froh über unsere Hilfe, da die Flüchtlingsfamilien vor Ort wirklich auf solche Hilfen angewiesen sind.

Auch von meiner Seite ein grosses Dankeschön: Das war wieder eine gelungene Aktion!

Danke, danke und nochmals danke.

Liebe Grüsse

Ismael